Sorry, wir haben Ihr Bild nur aus Versehen geklaut.

Der ein oder andere, der seine Bilder im Netz zeigt wird es kennen, immer wieder tauchen diese dann dort auf, wo man sie nicht selbst hin getan hat. Bilderklau, in der Regel auch noch ohne Kennzeichnung des Urhebers, scheint sich zu so etwas wie dem üblichen Procedere zu entwickeln. Es ist im Netz, jeder kann es sehen, ergo darf es auch jeder nutzen. Au contraire, mes amis!

Zum Ende des letzten Jahres fand ich eines meiner Bilder gleich auf mehreren Seiten im Netz, eigentlich überflüssig zu erwähnen, dass ich es nicht dafür lizenziert hatte. Abmahnen, wird der geneigte Leser jetzt ausrufen. Und in der Tat, das war auch mein erster Gedanke. Nach einigen Überlegungen und auch Gesprächen bin ich dann zu dem Schluss gekommen, nicht direkt die grobe Kelle zu schwingen, sondern den Nutzern eine entsprechende Rechnung zu stellen. Gesagt getan, die Rechnungen gingen raus und nun hieß es abwarten.

Im Folgenden nun die Geschichte über das, was aus drei dieser Rechnungen wurde und warum mir an deren Ende dann ordentlich die Hutschnur platzte. (Die Story ist etwas länger geworden, wer den ganzen Text scheut, kann auch gerne zu dritten Geschichte vorspulen.)

Die Geschichte der ersten Rechnung war relativ unspektakulär. Empfänger waren die Macher eines online Magazins, das sich im Groben mit Ökologie und Nachhaltigkeit in der Konsumwelt beschäftigt, die zwar mein Bild unautorisiert nutzten, netter Weise jedoch meinen Namen darunter gesetzt hatten. Die Fälligkeit der Rechnung war knapp überschritten, da hatte ich eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter. Der Inhalt war a) die Nutzung war ein Versehen, b) es tut uns Leid, und zwar zum einen die unautorisierte Nutzung, zum anderen die Zahlungsverzögerung und c) wir zahlen umgehen. So weit, so gut. Betrag dankend erhalten, es war mir ein Vergnügen mit Ihnen Geschäfte zu machen.

Rechnung Nummer 2, um die es nun geht, ging an die verantwortliche Agentur hinter dem Musikportal eines großen deutschen Telekommunikationsunternehmens. Innerhalb der Zahlungsfrist – ja, es wird besser – bekam ich einen Anruf. Die Dame bat meinen AB mir mitzuteilen, dass ich mich doch bitte bezüglich meiner Rechnung bei ihr melden solle. Gesagt, getan. Was tut man nicht alles für sein Geld. Die Dame mit der ich sprach war sehr freundlich, sehr sehr freundlich und versicherte mir mehrmals, dass die Nutzung meines Bildes ein tragisches Versehen sei, dass dies nur passiert sei, da man unter hohem zeitlichen Druck gestanden hätte und auf Aushilfen angewiesen sei. Dies wäre natürlich auch der Grund warum man nicht mehr nachvollziehen könne, wer das Bild irrtümlicherweise ins Netz gesetzt hätte. Unter großem Bedauern erklärte sie mir noch, dass so etwas sonnst noch nie passiert sei und sie immer darauf achten würden die Quellen prüfen und natürlich auch zu nennen. Im nächsten Atemzug fing sie an mit mir über den Preis zu verhandeln. Was soll ich sagen, nach langem Hin und Her, etlichen Entschuldigungen und Bedauern lies ich mich von der netten Dame überzeugen ihr einen kleinen Rabatt zu geben. Autsch, aber selber schuld. Das Geld kam auch hier prompt.

Man sagt ja „Aller guten Dinge sind drei„, aber was hier gut ist und was nicht werden wir am Ende sehen. Kommen wir also nun zur dritten Rechnung. Empfänger waren hier die Macher eines Styleblogs, der seine Füße unter den Tisch eines großen deutschen Unternehmens streckt, dessen Namen man zumindest früher mit dem Begriff „Katalogversandhaus“ in Verbindung brachte. Die Zahlungsfrist verstrich sang und klanglos. Es folgte die Zahlungserinnerung und auch die fand kein Gehör, zumindest nicht direkt. Aber nach Ablauf der zweiten Frist ein Lebenszeichen des Empfängers, nur um mit mitzuteilen, das a) sie gar keine Rechnung erhalten hätten, b) sie diese gerne nochmal hätten und c) die verantwortliche Person schon in Urlaub wäre und es daher zu Verzögerungen kommen würde.

Nach dem Urlaub, das bekannte Spiel. Nachricht auf dem AB, der folgte mein Rückruf. Die Dame am anderen Ende erklärte mir das es ein furchtbares Versehen gewesen sei, dass sie den Urheber nicht genannt hätten, das würde sonnst nie passieren. Worauf ich sie darauf hinwies, dass sie nicht nur den Urheber nicht genannt hätten, sondern das Bild auch noch vollkommen unautorisiert verwendet wurde. Im weiteren Verlauf des Gespräches wurde ich dann gebeten ihnen bezüglich der Höhe des Betrages  ein wenig entgegen zukommen. Dazu hatte ich aus 2 Gründen keine Lust. Erstens war die Rechnung zu dem Zeitpunkt schon 2 Monate alt und zweitens hatte ich dazu einfach keine Lust mehr. Im Gegenzug teilte man mir darauf mit, dass man die Rechnung in dem Fall der Rechtsabteilung zur Prüfung übergeben müsse. – War das der Versuch einer Einschüchterung? Hat nicht geklappt! – „Machen sie das, ich höre spätestens Anfang der nächsten Woche von ihnen, sonnst …“ Ende des ersten Telefonats. Das zweite folgte ein paar Tage später, von Rechtsabteilung keine Spur. Mein Gesprächspartner, ein Herr war es diesmal, drückte auch nochmal sein Bedauern über das Versehen aus. Danach fragte wie wir jetzt aus dieser Sache raus kommen würden und ob sich da nicht noch etwas am Preis machen könnte. Meine Antwort, die einfachste Möglichkeit die Angelegenheit zu beenden wäre, endlich mal die Rechnung zu bezahlen und nein, über den Preis wird nicht mehr diskutiert, Punkt! To make a long story short, danach meinte er nur noch, er könnte mich vollkommen verstehen und die Rechnung würde im nächsten Zahlungslauf des Konzerns bezahlt. Zum Abschluss hatte er noch einen Rat für mich. Er sagte sinngemäß so was wie: „Sie sind viel zu billig, wir hätten auch ohne Probleme das Doppelte gezahlt, schönen Tag noch.

Der erste Gedanke der mir in den Kopf kam war „Warum war ich eigentlich so nett und hab eine Rechnung geschickt und den Laden nicht an den Haaren vor den Kadi gezerrt und öffentlich auspeitschen lassen.“ Egal, vorbei ist vorbei. Die Herrschaften haben heute nach 2 1/2 Monaten ihre Rechnung bezahlt. Danke!

Was ist die Moral von der nun doch langen Geschichte? Versehen? Pustekuchen, so viele Versehen kann es gar nicht geben oder dort arbeiten nur ahnungslose Hilfsarbeiter, die gegen einen Hungerlohn Inhalte generieren. Ich denke, Agenturen und Redaktionen klauen Bilder mit Kalkül. Klauen, Kopf einziehen und hoffen das man nicht erwischt wird. Und wenn doch, dann kann man ja immer noch verhandeln, man hat ja Budget für solche Fälle. Warum machen die das, ist das wirklich günstiger? Wenn ja, sollte man dann nicht dafür sorgen, dass sich dieses Verhalten nicht mehr lohnt? Ich persönlich habe gar keine Lust darauf meine eigenen Bilder zu jagen, aber es scheint die einzige Möglichkeit zu sein.

In den letzten Tagen zeigte sich auf Facebook, Twitter und generell im Netz das  ich definitiv nicht der Einzige bin, der sich mit dem Thema auseinandersetzen muss. Zuerst war es Peter Wafzig, der seine Bilder auf der Myspace Seite einer Band wiederfand und darauf einen sehr spannenden Mailwechsel mit dem Manager der Band hatte, kurz darauf bloggte Stefan Groenveld über geklaute Bilder auf Facebook und Youtube und vor ein paar Minuten berichtete Heike Kaufhold über ein aus Versehen geklautes und dann auch noch gedrucktes Bild. Eine scheinbar unendliche Geschichte, oder besser: Die Geschichte des Urheberrechts ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Es nervt, in Zukunft werde ich wahrscheinlich noch ein zweites Mal über die grobe Kelle nachdenken.

© 2011 by Sven A. Droste | http://www.seven-oaks.de
Alle Rechte vorbehalten – All rights reserved.

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5 Kommentare

Eingeordnet unter Diverses, Meinung, Veröffentlichungen

5 Antworten zu “Sorry, wir haben Ihr Bild nur aus Versehen geklaut.

  1. Krass. Echt? Das hat er gesagt? Männer. Ich glaube, das ist eine Art Wettkampf. Er musste das letzte Wort haben und es wird ihm nicht gefallen haben dich um Preisnachlass zu bitten. Klar, wenn die soviel klauen dann können sie bei einem Foto auch mehr Strafe zahlen. Achje. Nervig.
    Liebe Grüße,
    Heike

  2. ich mach es so: ich berechne heftig, natürlich mit 100% Aufschlag, wenn kein Credit angegeben wurde. Dann biete ich Rabatt an bei Zahlung innerhalb von sieben Tagen. Das beschleunigt bei denen, die die Sache einsehen, den Zahlungsfluss enorm und erstickt bei den späten den Wunsch nach Rabatt im Keim – hätten sie ja haben können, selbst schuld.

  3. moin – ich mache es auch so, dass ich erstmal ne rechnung schreibe und abwarte – bisher habe ich aber erst in einem sehr dreisten fall, in dem eine band ungefragt über 80 auftritts-bilder, die ich für einen sender gemacht habe, die rechnungszahlung (allerdings stark rabattiert) durchgedrückt, die hatten ihre komplette seite damit neu gestaltet, ohne mich zu fragen, oder die bilder zu kennzeichnen – angeblich sei ihnen mündlich bestätigt worden, dass alle bild- und tonaufnahmen im auftrage des senders von ihnen verwendet werden dürften. einen solchen vertrag kennt aber bei dem sender keiner und auch meine vereinbarung mit dem sender sagt etwas anderes… anyway… lass uns doch künftig mit peter und stefan und co mal über preise etc. abstimmen, sodass wir da einheitlich agieren.

  4. Ja, ein leidiges Thema… Ich hab auch erst gestern wieder eine Rechnung rausgeschickt… in die Niederlande. Mal sehen, was DA passiert…

    *nerv*

    Beste Grüße, Klaus

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